"Ich funktioniere am Besten unter Druck". Was dieser Satz mit uns macht, und warum wir umdenken sollten. (Nachhaltige Leistungsfähigkeit)
- Sina

- 3. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

"Ich funktioniere am besten unter Druck". Dieser Satz hat mich jahrelang begleitet. Und ehrlich gesagt höre ich ihn bis heute ständig. In Meetings, in Gesprächen mit Kund:innen, im Sport, im Freundeskreis. Fast so, als wäre es ein Kompliment an die eigene Leistungsfähigkeit. Doch sieht so nachhaltige Leistungsfähigkeit aus?
Und ich verstehe, warum wir ihn so gern sagen. Kurz vor Deadlines passiert etwas Faszinierendes: Plötzlich ist der Fokus da. Entscheidungen fallen schneller. Ablenkungen verschwinden. Wir arbeiten konzentriert und effizient, scheinbar auf einem ganz neuen Level. Dieser Zustand fühlt sich kraftvoll an. Fast wie eine Superkraft, die nur unter Druck freigesetzt wird.
Die vermeintliche Superkraft - sieht so nachhaltige Leistungsfähigkeit aus?
Was ich lange nicht verstanden habe: Das war nie meine „entdeckte Höchstleistung“. Es war mein Stresssystem.
Wenn wir unter Druck stehen, aktiviert unser Körper den Überlebensmodus. Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, Herzschlag und Aufmerksamkeit steigen, Energie wird mobilisiert. Biologisch gesehen ist das eine brillante Lösung der Natur. In echten Gefahrensituationen ermöglicht uns dieser Zustand, schnell zu reagieren, klar zu handeln und kurzfristig über uns hinauszuwachsen.
Und genau deshalb fühlt sich dieser Zustand so produktiv an. So wach. So fokussiert. So leistungsfähig.
Wenn Ausnahme zum Alltag wird
Das Problem beginnt dort, wo dieser Ausnahmezustand zur Gewohnheit wird.
Denn der Körper hat diesen Modus nie als Dauerzustand gedacht. Er ist für kurze, intensive Phasen gemacht und nicht für den Alltag, nicht für jede Deadline, nicht für jeden Montagmorgen. Wenn wir dauerhaft in diesem Alarmmodus arbeiten, zahlt unser System einen Preis.
Dieser Preis zeigt sich oft schleichend. Zuerst merken wir vielleicht nur, dass wir uns häufiger erschöpft fühlen. Dann fällt es schwerer, sich zu konzentrieren. Der Schlaf wird unruhiger. Die Geduld kürzer. Die Reizbarkeit steigt. Und irgendwann passiert etwas, das viele überrascht: Trotz immer mehr Anstrengung sinkt die Leistungsfähigkeit.
Der Irrtum über Produktivität
Das ist der Moment, in dem viele versuchen, noch mehr Druck aufzubauen. Noch mehr pushen. Noch mehr durchhalten. Weil sie glauben, sie müssten einfach wieder in diesen „Produktivitätsmodus“ kommen.
Dabei verwechseln wir häufig das Hochgefühl der Stresshormone mit echter Produktivität.
Was sich wie Fokus anfühlt, ist oft Anspannung.
Was sich wie Energie anfühlt, ist Alarmbereitschaft.
Was sich wie Leistungsfähigkeit anfühlt, ist häufig Überlebensmodus.
Und Überlebensmodus ist kein Zustand, in dem Kreativität entsteht. Kein Zustand, in dem komplexe Entscheidungen leicht fallen. Kein Zustand, in dem nachhaltige Leistung möglich ist.
Er ist ein Zustand, in dem wir funktionieren - bis wir es nicht mehr tun...
Leistungsfähigkeit neu denken
In den letzten Jahren hat sich meine Perspektive auf Leistungsfähigkeit stark verändert. Heute bedeutet nachhaltig leistungsfähig zu sein für mich nicht mehr, ständig über die eigenen Grenzen zu gehen. Es bedeutet, über lange Zeiträume klar denken zu können. Kreativ arbeiten zu können. Stabil Energie zur Verfügung zu haben – ohne regelmäßige Erschöpfungsphasen.
Es geht nicht darum, weniger zu leisten. Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.
Es geht nicht um „langsamer“,
„weniger ambitioniert“
oder „weniger erfolgreich“.
Es geht um das Fundament, auf dem Leistung entsteht.
Das Fundament echter Produktivität
Denn echte Leistungsfähigkeit ist kein Sprint. Sie ist Ausdauer. Sie entsteht aus einem Nervensystem, das reguliert ist. Aus einem Körper, der nicht dauerhaft im Alarmzustand arbeitet. Aus einem inneren Zustand, in dem Fokus nicht erzwungen werden muss, sondern verfügbar ist.
Ein reguliertes Nervensystem ist deshalb für mich kein Nice-to-have mehr. Es ist die Grundlage für Fokus, Kreativität, gute Entscheidungen und echte Produktivität, im Beruf genauso wie im Sport.
Und vielleicht dürfen wir anfangen, den Satz umzuschreiben.
Nicht mehr: „Ich funktioniere am besten unter Druck.“Sondern: „Ich bin am leistungsfähigsten, wenn mein System stabil ist.“
Denn nachhaltige Leistung entsteht nicht im Dauerstress. Sie entsteht, wenn unser Nervensystem ausgeglichen ist. 🧠
💛
Du interessierst dich für das Thema nachhaltige Leistungsfähigkeit und möchtest mehr darüber erfahren, wie du ein stressfreies, nachhaltig leistungsfähiges Leben führst?
Dann ist mein Seminar "Stressfrei Leben" dein perfekter Einstieg in das Thema.
Im Seminar lernst du an 2 intensiven Tagen, wie du deine individuellen Stressquellen erkennst, sie kognitiv umprogrammierst und mit körperbasierten Übungen in Zukunft entspannt durch jede Herausforderung navigierst.




Kommentare